Wo heute auf 70 Hektar die FRANKFURT WESTSIDE entsteht, wurde über 160 Jahre lang Industriegeschichte geschrieben. 1856 gründete der gelernte Apotheker Ludwig Wilhelm Karl Baist die „Frankfurter Aktiengesellschaft für landwirtschaftlich-chemische Fabrikate“ und legte damit den Grundstein für die industrielle und chemische Entwicklung des Standorts.
An den Tagen der Industriekultur führte der Stadtteilhistoriker Sascha Mahl durch das ehemalige Industrieareal und gab Einblicke in die Geschichte des Standorts – mit historischen Fakten und persönlichen Erinnerungen.
Einige Gebäude und Strukturen dieser Zeit sind bis heute erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Dazu gehört unter anderem die sogenannte „Kathedrale“, die einst Teil der Anilinfabrik war. Wer heute durch das Gebäude geht, kann die Vergangenheit sogar noch riechen: Der charakteristische Geruch der Chemieproduktion ist an manchen Stellen noch immer wahrnehmbar. Sascha Mahl erzählte von Zeitzeugen, die berichteten, dass dieser Geruch nach einem Arbeitstag noch an Kleidung und Haaren haftete – und damit auch zu Hause präsent war.
Die Führung machte deutlich, wie eng Industrie, Arbeit und Alltag über Jahrzehnte miteinander verbunden waren. Gleichzeitig zeigt sich auf dem Areal heute ein neuer Wandel: Mit der FRANKFURT WESTSIDE wird der historische Industriestandort weiterentwickelt und für die Zukunft neu gedacht. Erneuerbare Energien, intelligente Vernetzung von Mobilität und Abwärme sowie neue Freiräume für Biodiversität, Freizeit und Erholung sind Teil dieser Entwicklung.
Auch die ehemaligen Werkstraßen des Quartiers erhalten im Zuge der Entwicklung offizielle Straßennamen. Ihre Namen greifen die Geschichte des Standorts auf und erinnern an Menschen und frühere Nutzungen, die Griesheim und das ehemalige Industrieareal geprägt haben. Dazu gehören unter anderem der erste Betriebsdirektor der Chemischen Fabrik Griesheim Ludwig Baist, der Werksarchitekt Philipp Belschner, die Stifterin Clara Trier und der Architekt Heiner Hamburger. Gleichzeitig erinnern Straßen wie die nach Emma Niedermann und Aleksandra Temnikova benannten Wege an die Verantwortung, auch die schwierigen Kapitel der Standortgeschichte während der NS-Zeit sichtbar zu halten.